Internationale SEO: der Leitfaden
Übersetzen reicht nicht: So wird Ihre Website in jedem Land gefunden, in der Sprache und mit den Worten Ihrer Kunden.
Das Wichtigste in Kürze
- Reihenfolge: erst die Märkte, dann die URL-Struktur, dann eine Keyword-Recherche pro Land.
- Struktur: In den meisten Fällen ist ein Unterverzeichnis (/fr/, /en/) die beste Wahl.
- Hreflang: unverzichtbar, wechselseitig und mit korrekten Codes (en-GB, nicht en-UK).
- Inhalte: lokalisiert und von Muttersprachlern geprüft, nie roh übersetzt.
- Messung: jede Sprachversion separat in der Search Console verfolgen.
„Wir haben die Website auf Französisch und Englisch übersetzen lassen, aber aus dem Ausland kommt keine einzige Anfrage.“ Diesen Satz hören wir oft. Übersetzen ist ein guter Anfang. Internationale SEO ist aber etwas anderes: Sie sorgt dafür, dass ein französischer, niederländischer oder britischer Käufer Sie findet, wenn er sucht, in seiner Sprache und mit seinen eigenen Worten.
In diesem Leitfaden zeigen wir die Methode, die wir bei Anton Anton nach über 100 Projekten auf Französisch, Deutsch, Niederländisch und Englisch anwenden. Ohne Fachchinesisch: Schritte, echte Beispiele und die Fehler, die Sie vermeiden sollten.
1. Erst die Märkte, dann die Sprachen
Viele Unternehmen denken in Sprachen („Wir brauchen eine englische Version“) statt in Märkten. Aber eine Sprache ist kein Land. Französisch spricht man in Frankreich, Belgien, der Schweiz, Luxemburg und Québec. Englisch in Großbritannien, Irland, den USA und Australien, jeweils mit eigenen Begriffen.
Für die Auswahl kombinieren wir drei Quellen:
- Ihre Daten: Aus welchen Ländern kommen bereits Besucher und Anfragen (Search Console, Google Analytics)?
- Die echte Nachfrage: Wie viele monatliche Suchanfragen gibt es für Ihre Produkte in jedem Land?
- Ihre Kapazität: Können Sie in dem Land liefern, Anrufe beantworten, abrechnen und Service leisten?
Lieber einen Markt richtig als vier halb. Beginnen Sie mit ein oder zwei Ländern, beweisen Sie, dass es funktioniert, und erweitern Sie dann.
2. Die Struktur Ihrer mehrsprachigen Website
| Struktur | Beispiel | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|---|
| Länderdomain | ihremarke.fr | Starkes lokales Signal, viel Vertrauen | Autorität beginnt bei null, mehr Aufwand |
| Unterverzeichnis | ihremarke.de/fr/ | Nutzt die Autorität der Hauptdomain, einfach zu pflegen | Etwas schwächeres lokales Signal |
| Subdomain | fr.ihremarke.de | Klare technische Trennung | Wird oft wie eine eigene Website behandelt |
In den meisten Fällen empfehlen wir das Unterverzeichnis; auch diese Website nutzt /de/, /nl/ und /en/. Übersetzen Sie auch Ihre URLs: /fr/prestations/ spricht einen französischen Besucher (und Google) mehr an als /fr/leistungen/.
3. Hreflang ohne Fehler
Hreflang-Tags sagen Google, welche Sprachversionen einer Seite es gibt. So landet ein Schweizer Besucher auf Ihrer Schweizer Seite und nicht auf der deutschen. Die Fehler, die wir in fast jedem Audit finden:
- Nicht wechselseitige Tags: Die deutsche Seite verweist auf die französische, aber nicht umgekehrt. Google ignoriert die Verknüpfung dann.
- Falsche Codes: „en-UK“ gibt es nicht, richtig ist „en-GB“. Ebenso sorgfältig: „de-AT“, „de-CH“, „fr-BE“.
- Widersprüchliche Canonicals: eine französische Seite mit Canonical auf die deutsche Version.
- Automatische Weiterleitung nach IP-Adresse: Der Googlebot crawlt meist aus den USA und sieht Ihre anderen Versionen dann nicht. Besser: eine gut sichtbare Sprachauswahl.
4. Eine Keyword-Recherche pro Land
Das ist der Kern. Keywords übersetzt man nicht, man recherchiert sie in jedem Land. Ein Beispiel aus unserer eigenen Recherche für den deutschen Markt: „übersetzer frankreich deutsch“ hat rund 390 Suchanfragen pro Monat, „seo frankreich“ nur etwa 110. Viele Unternehmen denken also zuerst an Übersetzung, erst danach an Sichtbarkeit. Solche Erkenntnisse bestimmen, welche Seiten wir bauen.
Für Cup Concept, einen deutschen Hersteller von Mehrweggeschirr, umfasste die französische Recherche rund 1.500 Begriffe, und der Wortschatz französischer Käufer hatte mit einer Übersetzung des Katalogs nichts zu tun (zur Fallstudie). Mehr zur Methode: Keyword-Recherche.
5. Übersetzen, lokalisieren oder neu schreiben?
Maschinelle Übersetzung ist enorm besser geworden, und wir nutzen sie als Ausgangspunkt. Eine rohe Übersetzung zu veröffentlichen heißt aber, zwei Risiken einzugehen: Formulierungen, die leicht fremd klingen, und Seiten, die die tatsächlich gesuchten Begriffe verfehlen.
- Tonalität: das formelle vous in Frankreich, ein direkterer Stil in den Niederlanden, britisches Englisch statt amerikanischem im Vereinigten Königreich.
- Pflichtangaben: mentions légales und AGB in Frankreich, ein vollständiges Impressum in Deutschland.
- Zahlung: Carte Bancaire in Frankreich, iDEAL in den Niederlanden, Bancontact in Belgien.
- Vertrauen: Avis Vérifiés oder Google-Bewertungen in Frankreich, Trustpilot im Vereinigten Königreich, Kiyoh in den Niederlanden.
6. Lokale Links und Erwähnungen
Deutsche Links helfen Ihrer französischen Version kaum. Jeder Markt braucht lokale Erwähnungen: Fachpresse, Verbände, Messen, Partner, Händler und bilaterale Handelskammern. Ein paar gute Links aus dem richtigen Land und der richtigen Branche sind mehr wert als hundert Verzeichnisse.
7. Und die KI-Assistenten?
ChatGPT, Perplexity, Gemini und Claude beantworten heute viele Fragen, die früher bei Google landeten, in jeder Sprache. Damit Ihr Unternehmen genannt wird, muss es leicht zu verstehen sein: überall derselbe Name und dasselbe Angebot, strukturierte Daten, sachliche Inhalte und Erwähnungen in lokalen Quellen. Das nennt man GEO. Mehr über GEO.
8. Jeden Markt separat messen
Eine mehrsprachige Website steuert man Markt für Markt: eine Search-Console-Property oder ein Filter pro Verzeichnis, mit Impressionen, Klicks, Positionen und vor allem Anfragen. Und Geduld: Erste Effekte zeigen sich meist nach einigen Monaten, solide Ergebnisse nach rund einem Jahr. Beim Hotel Beaulac in Neuenburg stieg der organische Traffic in drei Jahren von etwa 1.700 auf 20.000 Besucher pro Monat, in drei Sprachen (zur Fallstudie).
Kurz zusammengefasst
Internationale SEO ist keine Übersetzungsaufgabe: Für jeden Markt entsteht eine Version, die die Sprache und die Codes der Käufer spricht. Wählen Sie Ihre Märkte, eine klare Struktur, fehlerfreie hreflang-Tags, eine muttersprachliche Keyword-Recherche und lokalisierte Inhalte. Links, GEO und Google Ads beschleunigen dann eine gesunde Basis.
Wo steht Ihre Website? Wir beginnen immer mit einem internationalen SEO-Audit.



